Warum Statine Muskelschmerzen verursachen können

06. Feb 2026

Warum Statine Muskelschmerzen verursachen können

06. Feb 2026

Neue Studie zeigt: Ein gestörter Kalziumkanal in Muskelzellen könnte der Auslöser für statinbedingte Muskelbeschwerden sein

Warum Statine Muskelschmerzen verursachen können

Statine gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten zur Senkung des Cholesterins – und sie retten nachweislich Leben. Doch viele Menschen, die Statine einnehmen, klagen über Muskelschmerzen, Schwäche oder Krämpfe. In seltenen Fällen kommt es sogar zu schweren Muskelschäden. Warum das so ist, war lange unklar. Kanadische Forschende könnten nun eine entscheidende Spur gefunden haben.

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Ein Forschungsteam der University of British Columbia hat mithilfe hochauflösender Kryoelektronenmikroskopie gezeigt, wie das weit verbreitete Statin Atorvastatin direkt in Muskelzellen wirkt. Demnach bindet das Medikament an einen speziellen Kalziumkanal, den sogenannten Ryanodinrezeptor (RyR1), der für die Muskelkontraktion eine zentrale Rolle spielt.

Normalerweise sorgt dieser Kanal dafür, dass Kalzium kontrolliert aus einem zellinternen Speicher freigesetzt wird – ein Vorgang, der jede Muskelbewegung ermöglicht. Nach der Kontraktion schließt sich der Kanal wieder, damit sich der Muskel entspannen kann. Genau hier greift Atorvastatin offenbar störend ein: Mehrere Moleküle des Wirkstoffs können sich so an den Kanal anlagern, dass er nicht mehr richtig schließt. Die Folge ist ein gestörter Kalziumhaushalt in der Muskelzelle – was Muskelschmerzen und im Extremfall sogar den Untergang von Muskelzellen erklären könnte.

Das ist besonders relevant, da schätzungsweise 10 bis 25 Prozent der Behandelten unter einer Statintherapie Muskelbeschwerden entwickeln. Bei einem kleinen Teil kommt es zu einer sogenannten Rhabdomyolyse, einer potenziell lebensbedrohlichen Komplikation, die ein sofortiges Absetzen des Medikaments erfordert.

Ein wichtiger Befund der Studie: Die Bindung von Atorvastatin an den Muskelkanal hat nichts mit dem eigentlichen Wirkmechanismus der Statine zu tun, nämlich der Hemmung der körpereigenen Cholesterinproduktion. Das eröffnet eine spannende Perspektive: Künftig könnten Statine entwickelt werden, die das Cholesterin wirksam senken, ohne die Muskeln zu belasten.

Dass der Herzmuskel von diesen Effekten verschont bleibt, erklären die Forschenden ebenfalls: Dort kommt ein anderer Ryanodinrezeptor zum Einsatz, der offenbar nicht auf dieselbe Weise mit Statinen interagiert.

Quelle:
van Petegem F. et al., Nature Communications 2025; DOI: 10.1038/s41467-025-66522-0

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