21. Jul 2021

Telearbeit: Eine zukunftsfähige Arbeitsweise?

21. Jul 2021

Was bedeutet das mobile Arbeiten für die Beschäftigten einerseits, welche Auswirkungen sind gesamtwirtschaftlich zu erwarten? Ein Überblick.

PreventON

Nach der Pflicht kommt die Kür: mobiles Arbeiten ist in fester Planung oder schon in der Umsetzung in vielen Unternehmen, auch über Corona hinaus. Was bedeutet dies für die Beschäftigten einerseits, welche Auswirkungen sind gesamtwirtschaftlich zu erwarten? Ein Überblick.

Weitere Gründe sind neben chronischem Stress und einem akuten Bewegungsmangel insbesondere die ungünstigen arbeitstechnischen Voraussetzungen vor Ort. Viele Mitarbeiter arbeiten vom Sofa oder dem heimischen Esstisch aus, da es zu Hause an einem geeigneten Büro fehlt. Der Arbeitsweg führt für viele Arbeitnehmer vom Bett direkt an den PC. Was auf den ersten Blick als großer 'Benefit' erscheint, kann aber schnell auch zur Belastung werden: Nämlich dann, wenn Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben zunehmend verwischen und die Work-Life Balance aus dem Gleichgewicht bringen.

Auf die Frage nach geeigneten Strategien, um den Bewegungsmangel auszugleichen, gab nur etwa jeder Zweite an, regelmäßig bewusst das Sitzen beziehungsweise die Arbeit zu unterbrechen und sich zu bewegen. An dieser Stelle verdeutlicht sich folglich ein großer Nachholbedarf und ein neuer Fokus an geeigneten Präventionsmaßnahmen im Kontext des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu reflektieren, dass viele Beschäftigte auch nach Corona weniger im Büro arbeiten werden. Aus den Befragungen geht ergänzend hervor, dass viele der Befragten sich in der aktuellen Situation teilweise im Stich gelassen fühlen. In der Konsequenz wünschen sich Arbeitnehmer im Rahmen der Prävention deutlich mehr Unterstützung.

Die Corona-Krise machte das Arbeiten zu Hause zunächst zur Pflicht und anschließend zur Möglichkeit, von der viele Beschäftigte Gebrauch machen. Welche Vor- und Nachteile ergeben sich an dieser Stelle für die Wirtschaft? Eine detaillierte Studie des Beratungsunternehmens PWC am Beispiel von Großbritannien kommt zu dem Schluss, dass - positive und negative Effekte aufgerechnet - die Volkswirtschaft insgesamt Einbußen von rund 15,3 Milliarden Pfund (16,6 Milliarden Euro) pro Jahr erleiden dürfte. Diese Annahme wurde unter der Voraussetzung veröffentlicht, dass ein Großteil der Beschäftigten nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt.

Entsprechende Daten zu Deutschland gibt es bislang nicht. Nach Philipp Wackerbeck, Partner bei PWC Strategy& in Deutschland und verantwortlich für Modellrechnungen zur Auswirkung der Corona-Krise auf unterschiedliche Branchen und Unternehmen, treten die von den britischen Ökonomen analysierten Effekte hierzulande allerdings in vergleichbarer Weise auf. „Von der Arbeit im Büro hängt eine lange Wertschöpfungskette ab, von den Betreibern der Immobilien und den Vermietern über Projektentwickler, Makler, Architekten, Bauunternehmen" (Wackerbeck). In diesem Zusammenhang werden zudem Dienstleister und Zulieferer wie Reinigungsunternehmen, Sicherheitsfirmen, IT-Ausstatter, Büromöbelhersteller und viele mehr gelistet.

Wackerbeck erklärt anhand folgender Aussage, warum nicht nur die Bürobranche an sich von Nachteilen der Telearbeit betroffen sein kann: „Vor allem in den großen Städten ist ein ganzes Ökosystem von Unternehmen um die Büroarbeiter gewachsen. Dazu gehört die Gastronomie, die sie vor allem mittags versorgt, Einzelhändler, Verkehrsunternehmen und auch Tankstellen“. Die Umfrage unter Büroangestellten und die Analyse von Unternehmensdaten ermitteln aufgrund von sinkenden Ausgaben fürs und im Büro volkswirtschaftliche Verluste von 4,3 Milliarden Pfund im Jahr (Großbritannien). Das wiederum führt zu weiteren 3,3 Milliarden Pfund Verlusten bei Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette. Arbeitsstunden im Umfang von 250.000 Vollzeitstellen könnten wegfallen. Das wiederum führt den Kalkulationen der Ökonomen zufolge zu 4,5 Milliarden Pfund an wirtschaftlichen Einbußen durch geringen Konsum der betroffenen Arbeitnehmer.

Dazu kommen weitere Verluste von rund 3,2 Milliarden Pfund für die Wirtschaft durch etwas, das die Ökonomen einen Rückgang des Agglomerationseffekts nennen. Wirtschaftliche Zentren mit vielen Beschäftigten und Unternehmen verschiedener Branchen auf engem Raum sind volkswirtschaftlich gesehen besonders effizient. Durch die Arbeit vieler Menschen im Homeoffice verlagert sich wirtschaftliche Aktivität in weniger effiziente ländliche Räume. Das führt in der Summe zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Nicht genau zu beziffern und daher nicht mit in die Berechnung eingeflossen ist der Effekt des Homeoffice auf die Produktivität der Büroangestellten selbst und damit auf ihre Arbeitgeber. Gewaltige positive Auswirkungen dürfte die Zeitersparnis durch das Wegfallen des Pendelns haben.Einer Umfrage eines Karriereportals zufolge hat knapp die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland einen Arbeitsweg von mehr als einer halben Stunde. Gerade Akademiker verbringen oft noch viel mehr Zeit auf dem Weg ins oder vom Büro. Ein Teil dieser Zeit, das hat jedenfalls die Umfrage unter den britischen Angestellten ergeben, kommt dem Arbeitgeber als Mehrarbeit zugute. Und auch ein Freizeitgewinn könnte - durch eine höhere Zufriedenheit - die Produktivität von Beschäftigten steigern. Dem gegenüber stehen allerdings Probleme durch weniger direkten Kontakt zwischen Kollegen und mit Kunden. Der spontane Austausch von Informationen und Ideen sei erheblich gestört. Das betreffe vor allem junge Mitarbeiter, die weniger von der Erfahrung Älterer lernen könnten.

Ob Vor- oder Nachteile langfristig überwiegen, sei nach Wackerbeck noch nicht absehbar: „Spannend wird es jetzt, wenn Mitarbeiter freiwillig im Homeoffice arbeiten können, wenn es für ihre Funktion und aktuelle Aufgabe geeignet ist. Im Vergleich zu anderen Ländern galt das Arbeiten von zu Hause in Deutschland in vielen Unternehmen bislang als geradezu verpönt."

Prevent.on hat die Auswirkungen der Digitalisierung und die Herausforderungen der Telearbeit für die Mitarbeitergesundheit erkannt und in die Diagnostik und Beratung des Checkups integriert, sodass eine noch genauere Analyse der gesundheitlichen Situation ermöglicht wird.

Dieser Newsletter-Beitrag basiert auf den Veröffentlichungen der Zeitschrift Fitness Management, sowie auf folgendem ntv-Beitrag.

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