21. Jul 2021

Effekte auf die Psyche durch Quarantäne, Kurzarbeit und Co.

21. Jul 2021

Stressfaktoren, die aus den Corona-Einschränkungen oder einer Corona- Infektion resultieren, stellen einen Risikozustand für die psychische Gesundheit dar.

PreventON

Nach nun mehr als einem Jahr mit Corona-Einschränkungen oder der Infektion mit dem Corona-Virus geht der Einfluss auf die psychische Gesundheit an vielen Menschen nicht mehr spurlos vorbei. Die Corona-Pandemie geht in diesem Zusammenhang mit tiefen Einschnitten in unsere berufliche wie private Lebensgestaltung einher.

Tausende Patientinnen und Patienten in Deutschland leiden nach einer Covid-19-Erkrankung an Langzeitfolgen. Allein bei der zweitgrößten deutschen Krankenkasse, der Barmer, waren laut einer Auswertung von Versichertendaten zwischen November 2020 und März 2021 mehr als 2900 Versicherte von Long- oder Post-Covid betroffen. Als Post-COVID-Syndrom werden Symptome bezeichnet, die sich während oder nach einer COVID-19-Erkrankung entwickeln, länger als zwölf Wochen andauern und nicht durch eine alternative Diagnose erklärt werden können. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der Barmer, geht davon aus, dass sich viele Betroffene wegen der uneinheitlichen Symptome nicht bewusst sind, unter Long-Covid zu leiden. Nicht immer sei leicht erkennbar, wann die akute Virusinfektion aufhöre und die Langzeitfolgen anfingen. Erst seit Januar 2021 könne Post-Covid als Erkrankung offiziell im Abrechnungssystem der Ärzte codiert werden.

Erste Studien belegen die klinische Vermutung, dass nach einer Corona-Infektion nicht nur körperliche, sondern auch psychische Langzeitfolgen auftreten können, die nicht unterschätzt werden sollten. In einer Arbeit, die im „The Lancet Psychiatry“ veröffentlicht wurde, fanden sich sechs Monate nach einer Covid19-Diagnose bei circa einem Drittel der Patienten neurologische oder psychiatrische Symptome. Die britischen Forscher analysierten digitale Daten von mehr als 236.000 Patienten, die überwiegend in den USA behandelt wurden. Patienten berichten über Beschwerden wie anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung, fehlende Belastbarkeit sowie Einschränkungen bei Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistungen. Schlafstörungen und Kopfschmerzen waren ebenfalls Begleiterscheinungen. Weiterhin besteht die Gefahr eines vermehrten Konsums von Suchtmitteln. Die häufigsten Diagnosen waren Angststörungen bei 17 Prozent und Stimmungsstörungen bei 14 Prozent aller analysierten Menschen. Sie litten zudem an Schlaflosigkeit (5 Prozent), Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel (2,1) und Hirnblutungen (0,6). Die beteiligten Wissenschaftler weisen auf die Notwendigkeit weiterer Forschung hin, um die genauen Ursachen herauszufinden und Folgeschäden zu verhindern oder zu behandeln. In einem nächsten Schritt stellte die im Fachjournal „The Lancet Psychiatry“ veröffentlichte britische Studie heraus, dass Corona-Patienten häufiger neurologische oder psychische Probleme haben als Menschen mit anderen Atemwegserkrankungen. Dementsprechend wurde ein um 44 Prozent höheres Risiko für Angsterkrankungen oder Stimmungsschwankungen als nach einer Grippe nachgewiesen. Die genauen Gründe dieses Zusammenhangs seien bisher noch unklar.

Bereits in der Vergangenheit gab es Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen neurologischen Erkrankungen und einer Infektion hindeuteten. Vor diesem Hintergrund sind auch die Folgen der Isolation als Resultat des Lockdowns und der Quarantänen mancherorts für die Krankschreibungen wegen psychischer Leiden verantwortlich. Diesen Kontext bestätigt eine Auswertung von Versichertendaten in Bayern, die ergaben, dass 2020 deutlich häufiger Menschen mit Depressionen und Ängsten bei der Arbeit ausgefallen waren als zuvor.

Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München (MPI) hat eine spezielle Post-COVID Ambulanz für Patienten eingerichtet, die eine akute Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben, über die akute Phase hinaus aber an verschiedenen Symptomen leiden. „Auch wenn wir noch nicht genau wissen, wie eine COVID-Erkrankung neuropsychiatrische Symptome auslöst, können wir diagnostisch und therapeutisch helfen“, erläutert die Leiterin der Post-COVID-Ambulanz am MPI, Sandra Nischwitz. In diesem Zusammenhang stehen insbesondere für die Diagnose Verfahren aus der Neuropsychologie, der Bildgebung, der Liquoranalytik und der Neurophysiologie zur Verfügung.

Mit fünf Millionen Euro will Bayern die Versorgungsforschung zum Post-COVID-19-Syndrom stärken. Gefördert werden sollen vor allem innovative multidisziplinäre Versorgungskonzepte für Long-COVID-Patienten, also Menschen, die mit Spätfolgen einer Corona-Erkrankung zu kämpfen haben.

Auch prevent.on beschäftigt sich mit dem Long- und Post-Covid-Syndrom und verfügt mit über 850 Psychotherapeuten und neun medizinischen Standorten über ein breites Netzwerk an Experten, um Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aus Kundenunternehmen die nötigen Unterstützung in dieser herausfordernden Zeit geben zu können.

Der Newsletter-Beitrag basiert auf den Veröffentlichungen von Matthias J. Müller und Mathias Berger (Buch: Psychische Erkrankungen und die Auswirkungen einer Pandemie – Risiken, Folgen und Wege aus der Krise).

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