Online-Interventionen statt Einzelgespräche: Inwieweit ersetzen IMIs die Arbeit von Psychotherapeuten?

Im Zuge der Digitalisierung sind sogenannte Internetgestützte und mobilbasierte Interventionen (IMI) auf dem Vormarsch – aber: Wie gut sind diese Programme und können Sie Psychotherapeuten wirklich ersetzen?

IMIs wie Deprexis, Novego, Ifightdepression oder moodgym sind gut evaluierte Programme, die in der Tat positive Effekte für die Nutzer haben können, so Dr. med. Iris Hauth, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapie, Psychiatrie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Diese werden zum Teil sogar von Krankenkassen angeboten und wurden entwickelt, um Depressionen, Abhängigkeitserkrankungen und Angststörungen zu behandeln.

Wichtig ist aber in jedem Fall die Diagnose eines Arztes, da die Ursache psychischer Erkrankungen auch komorbide Ursachen haben kann.

Da die Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz sehr lang sind, seien IMIs in bestimmten Fällen, wie bei leichten Depressionen allerdings eine gute Alternative, so vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner. Dies führt dazu, dass mehr Therapieplätze für Patienten mit schweren psychischen Störungen zur Verfügung stehen.

Die Vorstellung von Frau Elsner, dass Krankenkassen zukünftig mehr in die Versorgung involviert sind, lehnt Christina Tophoven, Geschäftsführerin der BPtK ab. Behandlung und Versicherung müssen getrennt sein. Zudem muss sichergestellt werden, dass nur IMIs in die Versorgung gelangen, die nachweislich wirksam und evaluiert sind.

Mario Weiss, Gründer von deprexis plädiert dafür, dass Ärzte und Therapeuten IMIs in ihr Behandlungsspektrum aufnehmen und diese verordnen wie Arzneimittel. Dies könnte positive Auswirkungen auf die Honorarpolitik der Ärzte und Therapeuten haben, so Weiss.  

Man muss bedenken, dass viele psychische Störungen durch Einsamkeit und soziale Isolation kommen, warnt Benedikt Waldherr, Vorsitzender des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten. Aus diesem Grund sei die persönliche Beziehung zwischen Therapeuten und Patient so wichtig.

Durch die Verabschiedung des Digitale-Versorgungs-Gesetzes (DVG), sollen Ärzte und Therapeuten künftig dazu befähigt sein, ihren Patienten digitale Gesundheitsanwendungen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherungen verschreiben zu können. Die Anwendungen sollen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Medizinprodukte der Klassen I und IIa zertifiziert werden.

Es bleibt festzuhalten, dass die Nutzung von IMIs eine sinnvolle Ergänzung zu psychotherapeutischer Behandlung ist. Die alleinige Anwendung von IMIs eignet sich aber ausschließlich für leichte psychische Erkrankungen, als „Überbrückungslösung“, sowie zur Prävention, Frühintervention oder Nachsorge. Bei ausgeprägteren psychischen Erkrankungen ist der Gang zum Psychotherapeuten, schon allein aufgrund möglicher Komorbiditäten allerdings unumgänglich. 

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