Omega-3 Fettsäuren – zwei Studien, zwei Ergebnisse, eine Schlussfolgerung

Nahrungsergänzungsmittel verkaufen sich weltweit und auch in Deutschland gut: über eine Milliarde Euro geben die Deutschen jährlich dafür aus. Verbunden mit der Hoffnung, dadurch Herz- und Kreislauferkrankungen oder auch Krebs zu vermeiden. Fischölpräparate stehen häufig auf der Einkaufsliste. Zwei nahezu zeitgleich veröffentlichte Studien zu Effekten einer Substitution mit Omega-3-Fettsäuren kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Wie kann das sein und was ist für mich richtig?

Zwei Studien, zwei Ergebnisse: während die VITAL-Studie (1) mit über 25.000 Tausend amerikanischen Teilnehmern hinsichtlich der Gesamtsterblichkeit  und dem zusammengesetzten  Endpunkt  aus  Herzinfarkt,  Schlaganfall  oder  Tod  im Vergleich zu Placebo keinen signifikanten  Unterschied  zeigte, kommt die REDUCE-IT-Studie (2) zu einem ganz anderen Ergebnis. Diese gut 8.000 teilnehmenden Patienten hatten einen Schlaganfall oder Herzinfarkt hinter sich oder es lag mit Diabetes oder anderen Risikofaktoren eine Hochrisikokonstellation vor. Außerdem wurden alle Teilnehmer bereits mit einem Cholesterinsenker behandelt. Das schädliche LDL-Cholesterin lag im Mittel in etwa Zielbereich für diese Patientengruppe von 70 mg/dl. Die Neutralfette (Triglyceride) wiederum waren bei allen Teilnehmern mit bis zu 500 mg/dl wiederum teilweise erheblich über dem Grenzwert von 500 mg/dl. Die Teilnehmer erhielten entweder Placebo oder 2 x 2 g EPA (Eicosapentaensäure) am Tag. Nach im Mittel 4,9-jähriger Therapie war bei 17,2 Prozent der mit EPA und bei 22 Prozent der mit Placebo-Teilnehmer ein Ereignis des primären kombinierten Endpunktes aufgetreten (kardiovaskulär verursachter Tod, nichttödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall, Krankenhauseinweisung wegen instabiler Angina oder koronare Revaskularisation). Anders ausgedrückt: um ein Ereignis zu vermeiden müssen nur 21 Patienten über 5 Jahre EPA einnehmen. Dieses Ergebnis ist selbst für Experten so nicht erwartet worden. Ein Hinweis aber sollte nicht fehlen: Hauptsponsor der Studie ist Amarin, Hersteller des in der Studie verwendetes Vascepa®.

Die unterschiedlichen Ergebnisse sprechen weder für noch gegen die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren. Sie zeigen aber sehr schön, dass es auch bei Nahrungsergänzungsmitteln um das WER und WAS geht. Konkret: die Einnahme von 2 x 2 g EPA ist für Menschen mit Diabetes oder Prädiabetes, niedrigem Schutz-Cholesterin (HDL), hohen Triglyceriden und auffälligem Ultraschallbefund der Gefäße (Ablagerungen) mit einem Nutzen verbunden. Sehr viele Fischölpräparate sind dazu nicht geeignet. Sie sind entweder zu niedrig dosiert oder enthalten neben EPA auch Docosahexaensäure (DHA). Letzteres führt zu einem Anstieg des schlechten LDL-Cholesterins.

Quellen:

(1)     JoAnn E. Manson et al: Marine n−3 Fatty Acids and Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer. DOI: 10.1056/NEJMoa1811403

(2)     Deepak L. Bhatt et al: Cardiovascular Risk Reduction with Icosapent Ethyl for Hypertriglyceridemia. DOI: 10.1056/NEJMoa1812792

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