Wer erfolgreich führen will, sollte sich an den menschlichen Grundbedürfnissen orientieren

Was braucht der Mensch? Wenn es um die Grundbedürfnisse geht, muss er essen, schlafen, trinken. Um sich auch psychisch wohlzufühlen, muss er laut dem (leider vor 10 Jahre verstorbenen) Psychotherapeuten Klaus Grawe vier weitere Bedürfnisse befriedigen:

Er braucht Bindung zu anderen Menschen, möchte Teil einer Gruppe sein. Er will verstehen, was um ihn herum passiert, und dies beeinflussen können – also Kontrollempfinden verspüren. Er will stolz auf sich sein und verlangt Anerkennung und Wertschätzung. Und natürlich will er Freude und Spaß empfinden – die unangenehmen Dinge sucht der Mensch zu vermeiden.

Unser Hirn prüft nun ständig, ob all das gelingt: Beim eigenen Handeln und beim Behandelt werden. Schließlich setzt die Erfüllung dieser vier Bedürfnisse im Gehirn die Botenstoffe für ein Gefühl frei, nach dem sich der Mensch ganz einfach sehnt: Glück.

Seit einigen Jahren hat auch die Managementforschung diesen Ansatz von Professor Grawe entdeckt und einen eigenen Begriff geschaffen: Neuroleadership oder hirngerechtes Führen von Menschen. Dahinter steckt die Idee, dass die Anwendung der neurobiologischen Erkenntnisse in der Führungsarbeit dazu führen kann, dass Mitarbeiter viel besser zu motivieren und Veränderungen schneller umzusetzen sind.

In Deutschland beschäftigt sich mittlerweile eine kleine Gruppe von Forschern mit Neuroleadership. Einer von ihnen ist Theo Peters, Professor an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg. Aus seiner Sicht muss es das zentrale Ziel einer Führungskraft sein, dass die Grundbedürfnisse befriedigt werden – bei den Mitarbeitern und bei sich selbst. Dann werde das Belohnungssystem im Hirn aktiviert. Die Ausprägungen der Grundbedürfnisse seien bei jedem Menschen anders, so Professor Peters. Dem einen sei es genug, dass er mit Dienstwagen und Gehalt seinen Selbstwert erhöhen könne. Der andere leide sichtbar unter fehlender Orientierung. Der Dritte wiederum sei schon glücklich, wenn sein immenser Gesprächsbedarf befriedigt werde. Für die Führungskraft bedeutet dies: Sie muss sich die Zeit nehmen herauszufinden, was den individuellen Mitarbeiter „antreibt“, womit er sich motivieren lässt. Führen sei keine sachliche Aufgabe, keine, die sich nur an Daten und Fakten orientieren dürfe. Führung bedeute, auch Gefühle wie Frustration, Angst oder auch Freude wahrzunehmen, diese einzuordnen und besprechen zu können. Die Forschung empfiehlt einen eher gemeinschaftlichen Führungsstil mit ständigem Austausch. Druck und Kontrolle führen hingegen zu ständigem Stress im Gehirn. Das Hirn reagiert darauf mit dem Rückfall in früh erlernte Verhaltensweisen, wie man sie seit der Kindheit kennt: Trotz, übermäßige Unterwürfigkeit, Rückzug.

Die Forscher warnen jedoch davor, die Erkenntnisse der Hirnforschung als ultimative Basis für das Handeln als Chef zu sehen. „Aber es ist eine weitere gute Möglichkeit, sich selbst zu reflektieren.“


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